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Eine Schule stellt auf "Klippert" um: Interview mit dem Schulleiter

 

Eine Gemeinschaftsschule im Saarland hat im vergangenen Jahr auf die Klippert-Methode umgestellt. Die zunehmende Heterogenität in den Klassenzimmern hatte den Schulleiter der Friedrich-Schiller-Schule in Heusweiler, Ludwig Geiser, zu dem Schritt bewogen, ab der aktuellen Jahrgangsstufe fünf auf das Klippert-System umzusteigen.

Herr Geiser, seit der Umstellung sind nun einige Monate  vergangen.  Eine solch gravierende Veränderung geht selten ohne Schwierigkeiten einher. Welche „Stolpersteine“ lagen auf Ihrem Weg zum neuen System?

Die Umstellung auf Klippert war keine spontane Entscheidung. Vorausgegangen waren mehrere Jahre des Bemühens, einen Unterricht anzubieten, der die Selbsttätigkeit der Schüler und das eigenverantwortliche Lernen betont und dabei der zunehmenden Heterogenität der Schülerschaft gerecht wird. Dabei wurden je nach Fach und Lehrer unterschiedliche Wege beschritten, denn es gab noch keine Verbindlichkeit, da ein Teil des Kollegiums eine Veränderung offen ablehnte. Erst ein Vortrag von Herrn Dr. Klippert in Saarbrücken überzeugte die Bedenkenträge und öffnete die Bereitschaft für Veränderung. Es folgte ein einstimmiger Beschluss der Gesamt- und Schulkonferenz, dem vom Bildungsministerium angebotenen Klippert-Programm beizutreten. In der Folge hat das gesamte Kollegium zwei Pädagogische Tage mitgemacht, an denen es um das Lernen mit dem Spiralprinzip und um das Methodenlernen ging. Von Klippert-Trainern begleitete Workshops haben gezielt auf die tägliche Unterrichtspraxis vorbereitet und so die Umstellung erleichtert. „Stolpersteine“ lagen also eher in der Phase vor dem verbindlichen Konferenzbeschluss. Da nun die breite Basis das Programm trägt, ist es in unseren Alltag integriert und wird in der Klassenstufe 5 immer öfter praktiziert. Aber auch die Kollegen in den anderen Jahrgangsstufen setzen die Lernspiralen oder kleinere Arbeitssequenzen aus dem Klippertprogramm, wie z.B. den Doppelkreis, zunehmend ein.

Wie sind Sie damit umgegangen – welche Problemlösungsstrategie hatten Sie dafür?

Es war vor allem Überzeugungsarbeit, die zu leisten war. Beste Anlässe waren immer dann gegeben, wenn Kollegen mit den herkömmlichen Methoden an ihre Grenzen kamen und über unbefriedigenden Unterrichtserfolg klagten. In diesen Situationen waren sie für Alternativen besonders empfänglich. Allerdings schaffte es erst, wie oben erwähnt, Herr Dr. Klippert persönlich, das Umdenken auf breiter Front in Gang zu setzen.

Welche Reaktionen haben Sie erlebt? Gab es auch Reaktionen seitens der Eltern?

Die Pädagogischen Tage, an denen das Kollegium intensiv mit den Neuerungen vertraut gemacht wurde, fanden positiven Anklang. Auch die Workshops werden als Hilfe empfunden und dankbar angenommen. Die Kollegen im 5er-Team leisten jetzt Pionierarbeit, indem sie einen Fundus an Lern- und Trainingsspiralen aufbauen, der archiviert wird und auch in den nächsten Jahren wieder zum Einsatz kommt. 
Die Eltern haben wir auf einem Elternabend überzeugen können, dass ihre Kinder mit Klippert all die Kompetenzen erwerben, die sie im Berufsleben brauchen werden. Diesen Abend haben wir bewusst  mit Klippert-Methoden gestaltet, sodass  die Eltern ganz konkret erlebten, wie der Unterricht abläuft.  Diese Vorgehensweise war für die Eltern ein echtes Aha-Erlebnis und für die Lehrer ein Signal dafür, dass der eingeschlagene Weg richtig ist.

Das gesamte Kollegium muss auf die neue Methode geschult werden.  Komplettes Neuland für die Lehrerinnen und Lehrer oder konnte man auf vorhandenes Wissen aufbauen?

Wie schon erwähnt, gab es einen mehrjährigen, aber unverbindlichen und divergenten Vorlauf. Immerhin konnte sich das Kollegium aber vor Jahren schon darauf einigen, in  jeder Jahrgangsstufe genau definierte Lernmethoden einzuführen. Markieren und Strukturieren von Texten, das Fertigen von Mindmaps, die Anwendung von Visualisierungstechniken bei Referaten oder Möglichkeiten der Informationsbeschaffung und -präsentation, um nur einige zu nennen, waren also Elemente, auf denen aufgebaut werden konnte. Darüber hinaus war pro Schuljahr und Klassenstufe jeweils eine fächerübergreifende Projektwoche obligatorisch. Eine ganze Reihe von Kollegen hat sich da sehr engagiert eingebracht, sodass Klippert jetzt für diese Lehrer auch deshalb ein Zugewinn ist, weil er die Systematisierung bereits vorhandener Module beinhaltet.

Um bei einem Veränderungsprozess weiter dranzubleiben, braucht es immer wieder Erfolgserlebnisse. Welche Erfolge und positiven Erlebnisse haben Sie/das Kollegium/die Schüler bisher zu verzeichnen? Was hat Sie motiviert?

A und O für die Akzeptanz von Reformen ist eine Verbesserung der Alltagssituation mit  nachhaltigen Kompetenzsteigerungen bei den Schülern ohne Mehrbelastung für die Lehrer. Die Kollegen merken, dass die Vorbereitung mehr Zeit in Anspruch nimmt als früher, dass der Unterricht aber deutlich stressfreier läuft, weil die Schüler stärker gefordert sind und der Lehrer überwiegend als Berater und Organisator einer ansprechenden Lernatmosphäre fungiert. Außerdem hat uns Herr Dr. Klippert versichert, dass der Umgang mit der Lernspirale reine Trainingssache ist und die Vorbereitungszeit auf eine Doppelstunde bei geübten Kollegen rund zwanzig Minuten beträgt. Und zwar ohne große zusätzliche Recherchearbeit, sondern mit Einsatz der an der Schule vorhandenen Medien. Das ist natürlich schon eine große Motivation.

Würden Sie sagen, dass das „Projekt Klippert“ abgeschlossen ist, oder handelt es sich um einen fortlaufenden Prozess?

Schulentwicklung und Unterrichtsentwicklung sind nie abgeschlossen, sind genauso wie das Leben insgesamt, ständig im Fluss. Auf Klippert und unsere Schule bezogen bedeutet dies, dass die Kollegen im jetzigen 5er-Team ihre Arbeitsweise auch in den folgenden Jahrgangsstufen fortsetzen werden. Alle anderen Kollegen werden früher oder später ebenfalls  Eingangsklassen bzw. Klassen mit Klipperterfahrung unterrichten und gehalten sein,  Klippert zu praktizieren. Unser Ziel, das wir mittelfristig anpeilen, ist es, dass von der ersten bis zur letzten Klasse mit der Lernspirale gearbeitet wird. Das ist Beschlusslage der Schulkonferenz und wir setzen diesen Beschluss Schritt für Schritt um.

Was ist Ihr Zwischenfazit bisher? Würden Sie auch anderen Schulen zu diesem Schritt raten?

Alle bisher gemachten Erfahrungen lassen den Schluss zu, dass sich die Friedrich-Schiller-Schule auf einem sehr guten Weg befindet. Im Saarland ist mit Einführung der Gemeinschaftsschule jede Schule gehalten, ein eigenes Profil zu entwickeln. Dass wir dabei auf Klippert gesetzt haben, würde ich als Glücksgriff bezeichnen.

Herr Geiser, wir danken Ihnen für dieses Interview.